



Am Di. 29.3.2022 ging es los. Wir starten in Monfalcone mit der Überstellung nach Opatija. Wir haben uns vorgenommen bis Mi. 6.4. in Opatia zu sein. Also für die ca. 110 Meilen Zeit genug.
Ausklariert wird in Monfalcone am besten am Flughafen. FLUGHAFEN ??? ausklarieren mit einer Segelyacht ???
Naja, wie schon Asterix sagte, „Die Römer die spinnen“ und die Italiener sind eben anders. Also fahren wir am Vortag zum Flughafen, dort werden die Formulare ausgefüllt, Crewliste erstellt (sind ja nur die Eigner an Bord) und ab geht es. Der ganze Prozess ist in wenigen Minuten erledigt. Das Hinfahren und Suchen wo wir hinmüssen ist eigentlich der größte Zeitaufwand.
Das Wetter war überschaubar. Aber wir mussten ja noch die Kalibrierung des elektronischen Kompasses und des Autopiloten durchführen. Dazu muss man einige Kreise fahren und dann dem Autopiloten die Steuerung übergeben, damit er im Zick – Zack seine Positionen findet.
Nach ca. einer Stunde ging es dann Richtung Umag. Dort wollen wir einklarieren. Dazu wird die italienische Gastlandflagge unter der Steuerbord Saling gegen eine gelbe Flagge gewechselt. Somit weiß der Hafenkapitän, dass wir einklarieren wollen und alle an Bord auch gesund sind. In Zeiten von Corona nicht unwichtig.
Nachdem wir mit der Passione noch nie in Kroatien waren, ist ein Permit notwendig. Das bekommt man nicht beim Zoll, sondern beim Hafenkapitän. Also ab zum Hafenkapitän, der die Sache in Ruhe erledigt. Wichtig ist jedoch, nur der Skipper darf rein. Die anderen müssen auf der anderen Seite der Glastüre bleiben. Das Büro ist leicht zu finden. Es ist in dem Haus, das am meisten renovierungsbedürftig ist.
Naja, Zeit für einen Kaffee muss sein. Vorher aber ablegen vom Zollsteg und rein in den Hafen. Hier lernen wir, verlass dich nie auf die Marineros, denn es ist ja nicht ihr Schiff, dem sie einen Platz zuweisen. Der erste Platz schaute echt gut aus. Jedoch als wir die Leinen übergaben merkten wir, dass wir die besagte Hand unter dem Kiel nicht mehr Platz hatten. Nicht ein Blatt Papier hätten wir da mehr hineingebracht. Wir sitzen am Grund satt auf. Zum Glück ist die Passione ein Langkieler. Das bedeutet, dass sie vom Bug bis zum Ruder einen durchgehenden Kiel hat und somit dadurch nichts beschädigt wird. Bei einem herkömmlichen Charterschiff wäre das anders ausgegangen. Dann hätten wir Grundkontakt mit dem ausbalancierten Ruder gehabt, das in der Regel zu Beschädigung führt.
Der neue Platz war auch nicht schlecht. Aber jetzt Zeit für einen Kaffee.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Porec. Das Wetter hat immer noch Potenzial besser zu werden. Wenig Wind, kalt und Regen. Also wird die meiste Zeit unter Motor gefahren. Ziel ist aber nicht der Hafen von Porec, sondern die auf der nördlichen Seite der Halbinsel liegenden Bucht. Sie scheint uns sicher bezogen auf die Wetterprognose und wir können uns die Hafengebühr sparen. Also ein Kaffee oder vielleicht Bier mehr. Denkste, da hast du die Rechnung ohne den Kroaten gemacht. Auch ankern in der Bucht kostet etwas. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht wie sicher wir unseren Anker gesetzt hatten.
Der Überstellungstörn hat auch den Zweck, das Schiff kennen zu lernen. Also wie funktionieren die verschiedenen Einrichtungen, z. B. das Ankern. Die Yacht ist mit einem Kettenzähler ausgestattet, damit wird die Länge der Kette angezeigt. Eine super Sache. Also gegen den Wind hin zum gewählten Ankerplatz, Tiefe am Tiefenmesser ablesen und Kette um einen Meter länger als die Tiefe gesteckt. Dann langsam zurücktreiben lassen und mit der Kette die Richtung des Schiffs kontrolliert entsprechend Kette stecken. Funktioniert super. Und der Anker hält auch noch nachdem die Haltekraft mit einem kräftigen Zug mit dem Rückwärtsgang kontrolliert wird.
Jetzt wird das Beiboot getestet. Mit den Davids geht das In-das-Wasser-Lassen unkompliziert und für jeden möglich. Der Platz in dem 2,5m langen Boot ist überschaubar, aber für drei Personen geht’s. Die 10PS des Honda Außenborders sind aber mehr als genug um nicht zu sagen übermotorisiert. Das fühlt sich an wie ein Fiat 500 mit 200 PS, aber mit der normalen Bereifung. Vorsichtig Gas geben damit wir nicht einen Wheelie (oder sagt man da Schraubie ?) machen und uns nicht nach hinten überschlagen. Das Boot müssen wir tauschen, das konnten wir schnell feststellen.
Porec ist ein wichtiger historischer Ort mit einer Basilika, die Weltkulturerbestatus hat und mit einigen Kunstwerken am Hauptplatz.
Von Porec geht es dann weiter nach Rovinj. Die Nacht haben wir ruhig verbracht. Der Anker hat gehalten. Und er hält auch noch als wir ihn wieder einholen wollten. Alles was wir versuchen führt nicht zum erhofften Erfolg. Wir kriegen das Ding nicht mehr herauf. Mit der Ankerwinsch machen wir aus der Passione eher ein U-Boot , als dass wir den Anker wieder an Bord bekommen. Das ist mir noch nie passiert! Damals musste ich tauchen, um ihn aus den Felsen zu befreien. Hier beträgt die Wassertiefe 7 Meter, das würde es ermöglichen, aber nicht bei diesen Temperaturen von 13 Grad. Also muss ein Taucher her. Ein kurzer Funkspruch zum Hafenkapitän, der einen Taucher organisiert. Dieser hat uns auch erfolgreich befreien können. Gratis war das auch nicht. Um den Preis hätten wir eine Woche im Hafen liegen können…
Bei dieser Aktion haben wir gelernt, dass eine Ankerbojeund ein Neopren Anzug vielleicht doch ganz praktisch ist und die Bordkasse schont.








Endlich gibt es ein wenig Wind. Die Sonne versteckt sich immer noch aber jetzt können wir die Passione bei 3 Bf. Windstärke testen. Seit wir das Unterwasserschiff von der Muschelbank befreit haben, können wir auch bei wenig Wind segeln. 5 Kn ist für eine 25t Stahlketch doch sehr beachtlich. Und das noch bei einer akzeptablen Höhe am Wind.
In Rovinj angelangt legen wir aber nicht im Hafen an, sondern machen in Sjeverna Luka nördlich der Stadt fest. Der Wetterbericht sagt, dass es für diese Nacht ein sicherer Platz ist. Der Hafenkapitän rät uns aber am nächsten Tag einen anderen Liegeplatz zu suchen, da ein starker Südwind aufkommt und hier ein gefährlicher Schwell entsteht. Aber diese Nach bleiben wir. Natürlich nicht gratis. In Kroatien kostet jeder Liegeplatz.
Es wird heute die Bordküche in Betrieb genommen. Die elektrische Kochplatte mit Backrohr und integrierter Microwelle wird heute unseren Gourmet Koch Franz eine Pasta zaubern lassen. Es schont nicht nur die Bordkassa, sondern schmeckt auch vorzüglich.
Rovinj ist eine wunderschöne Stadt und immer einen Besuch wert. Aber die Zeit drängt und das Wetter lässt nicht auf sich warten. Wir müssen weiter. Als nächste Station brauchen wir einen sicheren Hafen. Wir entscheiden uns für Pula. Dort liegt die Marina in einer großen Bucht, die ca. 4 SM in das Landesinnere reicht. Hier liegen wir sicher vor jeder Wetterlage.

Die Marina liegt direkt im Zentrum. Sehenswert ist die Arena aus der Römerzeit. Sie ist eines der am besten erhaltenen Amphitheater. Wirklich sehenswert. Pula ist aber eine laute, verkehrsreiche Stadt mit einer großen Werft. Als Ausgangshafen sicher interessant, da die Yachten sehr geschützt liegen, jedoch anlaufen werden wir sie nicht mehr so schnell.
Weiter geht es am nächsten Tag Richtung Cres. Nach einem Zwischenstopp in der Bucht vor Pommer/Medulin, in der wir übernachteten, erreichen wir den Stadthafen von Cres. Der Wind ist günstig und wir können eine weite Strecke unter Segel zurücklegen.
Cres überraschte uns. Der Hafen wurde in seiner Kapazität sicher verdreifacht.

Wie man sieht, ist noch keine Saison. Wir sind das einzige Schiff im Hafen. Das ändert sich sicher in der Hauptsaison, wo sich die Charter Crews die Leinen in die Hand geben. Wir werden sicher noch einmal hierherkommen. Aber eben nicht im Charter Rhythmus. Die Stadt lädt ein, öfter besucht zu werden.
An jeder Ecke findet man kleine Cafés und Restaurants. Das schöne Wetter lädt ein in der Sonne zu sitzen und das bescheidene Leben zu beobachten. Apropos Sonne. Das Wetter hat sich endlich entschlossen, die Sonne auf die Bühne zu holen.


Von Cres geht es weiter nach Valun. Ein kleines Dorf auf der anderen Seite der Bucht. Es war die Kulisse einer österreichischen Fernsehserie „Der Sonne entgegen“. Dabei handelt es sich um eine kleine Gruppe von Aussteigern aus Wien, Salzburg und Deutschland, die sich in diesem kleinen Dorf kennenlernen. Mit ihrem Motorsegler Dohuwabohu bieten sie Rundfahrten an. Ein Film der genau in dieses Dorf passt. Es dürfen keine Autos hinein. Ein Campingplatz an den steilen Hängen ist terrassenförmig angelegt und nur für Zelte geeignet, da er nur zu Fuß erreichbar ist. Hier liegen in der Saison die Yachten in Zweierreihen. Ich hatte hier einmal einen aufkommenden Gewittersturm erlebt wo 2/3 der Yachten fluchtartig den Hafen bei Dunkelheit verlassen mussten. Damals musste man hier noch vor Buganker gehen. Mittlerweile wurden Murings gelegt, um ein sicheres Liegen zu gewähren.
In dieser Zeit sind noch keine Yachten unterwegs. Deshalb sind wir auch die einzigen Touristen im Ort. Das mussten wir natürlich ausnützen, um ein hervorragendes Menü in einer der Tavernen zu genießen. Es war eine gute Entscheidung.

Am nächsten Tag starteten wir unsere letzte Etappe. Unser Zielhafen ist Opatia, die Marina Admiral. Der Wind blieb leider aus und wir mussten wieder unseren Motor bemühen. Aber in wenigen Stunden erreichten wir auch unser Ziel. Nach dem Festmachen an unserem reservierten Platz wurde die obligatorische Dose Bier geöffnet und auf die erfolgreiche Überstellung, die so manch aufregenden Moment mit sich brachte, angestoßen. Wir haben unser Ziel planmäßig erreicht.

Euer Skipper
Robert