17.5.22
Wir treffen uns auf der Segelyacht Passione in der Marina Admiral in Opatia. Wir, sind Norbert, einer unser längsten Freunde aus unserer gemeinsamen Jugendzeit und zwei der drei Schiffseigner, Franz und ich. Norbert ist mit Franz aus Wien angereist und war schon auf unser Wohnschiff gespannt. Eigentlich ist er Regatta Segler und auf schmalen puristisch ausgestatteten Rennyachten unterwegs. Also genau das Gegenteil von unserer Passione.
Nach dem Einchecken und vertraut machen mit den Besonderheiten der Yacht geht es einmal darum, etwas Gutes aus der Region zu essen. Nachdem hier Opatia viele sehr gute Restaurants bietet, entscheiden wir uns für das Roko, das fußläufig von der Marina erreichbar ist. Das Roko ist unter anderem für seine hausgemachte Pasta bekannt. Natürlich mussten wir rechtzeitig reservieren, um einen Platz für 3 Personen zu bekommen.
Mit vollem Magen nehmen wir in unserem geräumigen Salon noch einen Absacker zur besseren Verdauung zu uns. Naja, vielleicht waren es auch mehrere, wir hatten ja wirklich reichlich gegessen. Dann ab in die Koje, denn am nächsten Morgen wollen wir spätestens um 9:00 ablegen.
18.5.22
Es wird doch 9:45 bis wir die Leinen los machen und unter Motor die kleine Marina verlassen. Ziel ist die Insel Krk. Der Zielort auf der Insel wird von den Windverhältnissen festgelegt. Auf der Strecke gibt es ausreichend Anlegemöglichkeiten und Ankerplätze.
Der Wind bläst mit 4 – 5 Bft. Er verspricht uns einen super Segeltag. Wir können alle Kurse fahren, zuerst mit Halbwind, dann mit vorlichen Wind. Ein super Gefühl, wenn man aus dem geschützten Bereich des Cockpits an Deck geht und sich dem Wind und den Wellen aussetzt. Der Wind wird stärker und steigt auf 5 – 6 Bft. Da wir die Windkraft nur mehr in Kränkung umsetzen, entschließen wir uns die Genua gegen die Fock zu wechseln. Das ist bei einer Kuttertakelung sehr schnell erledigt. Die Fock ist am Kutterstag angeschlagen und die Genua am Vorstag. Also raus mit der Fock, und rein mit der Genua. Bei Rollsegel geht das sehr schnell.
Wir mussten aber schnell feststellen, dass 6 Bft. Für unsere Passione zu wenig Wind ist, wenn nur die Fock gesetzt ist. Wir fallen von den 9 Kn. runter auf 2 Kn. Das ist uns viel zu wenig. Da brauchen wir mehr Segelfläche. Ein Stück von der Genua auf dem Vorstag bringt uns wieder auf die Reisegeschwindigkeit von 9 Kn. Selbst Norbert mußte zugeben, dass es für ein 25 Tonnen schwere Segelyacht eine erstaunliche Leistung ist.

Geschützt in dem Cockpit mit Deckshaus ist es eine gemütliche Überfahrt nach Krk. Hier entscheiden wir uns für die Villa Bucht in der Nähe von Stara Baska. Ich nenne diese Buch deshalb so, da diese von einer prachtvollen Villa mit parkähnlicher Gartenanlage geprägt ist.


Lt. Wetterbericht soll der Wind über Nacht anhalten und von NO nach O drehen. Die Bucht schützt uns von unangenehmen Schwell. Um den Anker zu entlasten setzten wir das Besansegel. Das ist eine übliche Maßnahme bei Ketch getakelten Segelyachten, um den Anker bei Wind am Ankerplatz zu entlasten. Durch das Anströmen des Segels nimmt das Schiff Fahrt in Richtung Anker auf und dreht sich dabei in den Wind. So lange, bis das Segel von der anderen Seite angeströmt wird was das gleiche jedoch auf dem anderen Bug bewirkt. Somit kreuzt die Ketch getakelte Segelyacht am Anker immer gegen den Wind und entlastet dabei den Anker.
Ich habe die Bucht schon öfter besucht, jedoch mit einem deutlich kleineren Segelboot, einer Dehlya 25 mit dem Namen Azimut. Sie ist etwas größer als die Hälfte der Passione. Die Ankerbucht ist mir damals wesentlich größer vorgekommen. Deshalb entscheiden wir uns für eine Landfeste der besonderen Art. Normal werden Landfesten immer vom Heck an das Land ausgebracht. Da wir jedoch nicht quer zum Wind liegen wollen und den Vorteil des Besansegel nutzen wollen, entscheiden wir und für eine Landfeste, die vom Bug zum Land ausgebracht wird. Es ist also ein Verkatten mit einem Anker und einer Landfeste. Damit verkleinern wir den Schwoj-Radius und liegen ruhig ohne Schwell mit dem Bug gegen die Wellen im Wind.
19.5.22
Der Wind hat planmäßig gedreht und ist noch am Vormittag eingeschlafen. Also entscheiden wir uns unter Motor nach Krk, dem Hauptort der Insel, zu fahren. Hier fallen keine Hafengebühren an, wenn man nicht übernachtet, sondern dem Ort nur einen Kurzbesuch erstattet. Ich liebe diesen Ort. Er ist eine Mischung aus historischer Geschichte und dem heutigen Tourismus. Das Geschlecht der Frankopans hatte hier einen starken Einfluß in der Entwicklung des Ortes und auch der ganzen Insel gehabt. Das ist heute noch in seinen kleinen Gässchen und Gebäuden überall spürbar.


Da wir es lieben in Buchten zu übernachten legen wir nach einem Spaziergang durch den Ort wieder ab in Richtung der Bucht Uvala Torkul. Wir haben wieder ca. 3 Bft. Wind, zu wenig um mit der Genua, dem Großsegel und dem Besan zu segeln. Wir entscheiden uns für unsere Leichtwind Segel den Blister und dem Besanstag Segel. Diese Besegelung wird bei Kursen von Raumschot- und Halbwind gesetzt.

Ein Traum. Das Schiff gleitet langsam durch die Wellen und bewegt die Segel als ob es Atmen würde. Das muß sofort fotografiert werden. Ich lasse das Beiboot mit den Davits ins Wasser und fahre dem Schiff voraus. Das ist bei der Größe des Bootes und den 10 PS Außenborder kein Problem. Überzeugt euch selbst wenn ihr euch das Video anseht. [Video]
Angekommen in der Bucht wird der Anker gesetzt. Der Wetterbericht verspricht uns eine sehr ruhige Nacht. Franz sorgt für das leibliche Wohl und bereitet das Abendessen zu. Er macht das hervorragend. Und ich glaube er nimmt deshalb das Kochen in kauf damit er sicher sein kann, dass es auch schmeckt, was auf den Teller kommt. Der Abwasch ist dann Aufgabe der restlichen Crew, die das auch gerne macht bei der kulinarischen Versorgung.
20.5.22
Der Wetterbericht hatte recht. Die Nacht war sehr ruhig und wir beraten uns bei dem Frühstück über den Törnverlauf des letzten Tages. Nachdem der Wind wieder nur mit ca. 3 Bft. aber diesmal direkt von hinten weht, können wir einen Vorwindkurs mit einer Butterfly Besegelung fahren. Das bedeutet, dass wir neben der Genua auch den Blister setzen. Die Segel werden auf zwei Schoten, Backbord und Steuerbord gefahren. Und wieder gleiten wir langsam durch die kleinen Wellen unserem Ziel entgegen. Wieder muss ich mir das von draußen ansehen. Also wieder das Beiboot mit den Davits runter in das Wasser und Fotos von allen Seiten gemacht. Schaut euch das Video an und entscheidet selbst. ]Video]

Nach drei sehr unterschiedlichen Segeltagen legen wir wieder in unserer Heimat Marina an. Nach erfolgreichen Anlegen und dem Versorgen aller Leinen wird das obligatorische Manöver Bier geöffnet. Genussvoll wird es im Schutz des Cockpit gemeinsam getrunken. Dabei legen wir fest, dass am Abend Gegrilltes im Grillhaus in Opatia am Speiseplan steht. Franz ist froh, dass er nicht kochen muss und trotzdem sicher sein kann, dass es etwas ordentliches zu Essen gibt. Und wir sind auch nicht traurig nicht abwaschen zu müssen.
21.5.22
Nach dem Frühstück wird ausgecheckt damit die Eigner das Schiff reinigen und für die nächste Crew fertig machen. Sie sollen ebenfalls einen Urlaub verbringen können, an den sie sich gerne und lange erinnern werden.
Euer Skipper
Robert